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Kriege & Konflikte

Die Fehlinformationen zum Amerikanischen Bürgerkrieg

Noch heute schwenken rechte Südstaatler in den USA die alte Konföderierten-Flagge, oder kleben Flaggen-Aufkleber auf ihre Pickups hinten drauf und würden am liebsten erneut die Sezession verkünden. Die aus dem Ruder gelaufene Demo in Charlottesville, Virginia unter dem Motto „Vereinigt die Rechte“, bei denen Meinungsverschiedenheiten über die Entfernung eines Kriegsdenkmals der Konföderierten einen öffentlichen Aufruhr hervorriefen, sind nur ein aktuelles Beispiel. Der Kampf um die Narrative hält bis heute an: Aus der vereinfachten linken Sicht war der Süden dominiert von finsteren reichen Rassisten, die weiterhin von Sklavenarbeit profitieren wollten, während der gute Norden sich auf dem Weg des gesellschaftlich-politischen Fortschritts befand. Für die Rechten heute war das Verhalten des Nordens damals völlig ungerecht und eine zentrale Bruchstelle in der amerikanischen Geschichte, wo das Land überging in eine schlechte Phase, die bis heute anhält. Die gewöhnliche Geschichtsschreibung versucht mal mehr, mal weniger fairer zu sein, blendet aber wie üblich die geheimdienstliche Ebene aus. Die einzige Literatur, die Geheimes analysieren will, ist die Verschwörungsliteratur, aber diese macht die üblichen Fehler, die zurückgehen auf ältere Verschwörungsliteratur. Das kann sich verheerend auswirken auf die Situation in den nächsten Jahren. Kommt es unter Joe Biden oder einem anderen Democrat im Weißen Haus zu einer militärischen Konfrontation mit China (und Nordkorea, dem Iran etc.) und einer neuen Wehrpflicht, könnten rechte US-Patrioten den Wehrdienst verweigern, weil sie befürchten, von einem Agenten der linken Weltverschwörung bewusst verheizt zu werden. Würde dann die US-Bundesregierung diese Patrioten strafrechtlich verfolgen? Würden die Patrioten aus dem ganzen Land in mehrheitlich konservative Bundesstaaten ziehen und sich zu Milizen zusammenschließen, die sich notfalls gegen die Bundesregierung verteidigen würden? Bei solchen Ereignissen würden von den entsprechenden Medien die unterschiedlichen Narrative benutzt werden, um die Bürger zu steuern.

Beispielhaft für eine typische Verschwörungs-Erzählung zum US-Bürgerkrieg ist „The suppressed history of American Banking“ von Xaviant Haze (wahrscheinlich ein Pseudonym), ein Autor der neben solchen Brot-und-Butter-Themen der Verschwörungsmedien außerdem noch veröffentlicht zu vermeintlichen Aliens im alten Ägypten. Das Buch folgt den traditionellen Denkmustern aus den Protokollen von Zion und alten Verschwörungsbüchern, laut denen die Rothschilds das britische Empire kontrollierten und nach Belieben Kriege entfachen konnten durch ihr Geld. Der heldenhafte US-Präsident Andrew Jackson hätte die Judenbanker und deren zweite US-Zentralbank geschlagen und diese satanischen Juden suchten nun Rache auf die altbekannte Art und Weise durch die Entfachung eines Krieges. Im Norden Amerikas hätten die Rothschild-Agenten Stimmung gemacht gegen die Sklaverei, und im Süden hätten die Agenten ohnehin enge Beziehungen gehabt zu den reichen Baumwollproduzenten. Das Ziel sei gewesen, Amerikaner zu töten und dann wieder die Kontrolle über das Bankwesen zu erhalten. Die Freimaurer-Gruppe „Knights of the Golden Circle“ sei im Süden benutzt worden von den Rothschilds. Der Kriegsminister der südlichen Konföderierten war ein Jude namens Judah P. Benjamin, der absichtlich die Kriegsführung sabotiert hätte und der nach der Niederlage mit einem Haufen Gold auf einem Schiff getürmt wäre nach England, zu den Rothschilds. Die Rothschilds hätten über ihren Agenten August Belmont de Kontrolle besessen über die wichtigsten New Yorker Banken, um den Krieg des Nordens zu finanzieren. Belmont hatte eine Verbindung zu Judah P. Benjamin. Salomon James Rothschild hätte den Süden unterstützt. Die Juden hätten mal wieder eine geheimdienstliche Glanzleiostung vollbracht; alle anderen hätten keine nennenswerten Geheimdienst-Leistungen gezeigt. Die amerikanische Geschichte und der Kampf Gut gegen Böse wird geschildert als Kampf christlicher Patrioten gegen satanische Juden. Zunächst sei festzuhalten:

  • Die Rothschilds kontrollierten nicht das Britische Empire und konnten nicht nach Belieben einen Krieg entfachen
  • Die ersten beiden US-Zentralbanken waren das Werk der Gründerväter und ihrer korrupten Verwandten und Freunde.
  • Präsident Andrew Jackson führte einen begrenzten Kampf gegen die Banken, weil die Korruption und Instabilität zu stark zugenommen hatten
  • Die verschiedenen Regierungen auf der Welt hatten allesamt fähige Geheimdienste. Verschwörungsliteratur erweckt immer den Eindruck, Juden seien imstande, geheimdienstliche Wunder zu vollbringen, während ihre Gegner praktisch geheimdienstliche Totalausfälle seien.

Judah Philip Benjamin war tatsächlich nach England geflohen und arbeitete dort als Anwalt und sogar Berater der Krone (Queen’s Counsel), was ihn verdächtig macht. Er galt als Kind bereits als hochintelligent, wurde entsprechend gefördert und durfte 1825 im Alter von nur 14 Jahren die Elite-Universität Yale in den USA besuchen, die auf Funktionäre des Britischen Empires zurückgeht und ab 1832 die Geheimgesellschaft Skull & Bones beherbergte, die im 20. Jahrhundert die offiziellen Geheimdienste OSS und CIA schuf. Eli Evans, Benjamins „scharfsinnigster Biograf“, bemerkte:

„Benjamin diente [dem Präsidenten] Davis und der Konföderation als eine Art Hofjude, genau so, wie seine sephardischen Vorfahren den Königen Europas jahrhundertelang gedient hatten.“

https://www.jewishvirtuallibrary.org/judah-benjamin

Wäre die Amerikanische Revolution und die Feindschaft zwischen den US-Gründervätern und der britischen Monarchie wirklich echt gewesen, hätten die Gründerväter dafür gesorgt, dass britische Spionageringe es nicht so leicht gehabt hätten, an amerikanischen Universitäten, in Freimaurerlogen und anderswo zu agieren und Agenten in alle Bereiche zu entsenden. Judah brach sein Studium abrupt ab und bildete sich anderswo im Bereich Jura weiter und wurde Anwalt. Der auf den Bürgerkrieg spezialisierte Historiker William C. Davis, räumte ein, dass es deutliche Hinweise darauf gibt, dass Judah homosexuell war. Für einen gewöhnlichen Bürger bot dieser Umstand ein gewaltiges Risiko. In der Geschichte der Amerikanischen Revolution haben wir jedoch gesehen, dass man in höheren Kreisen ein hohes Maß an Schutz genießen konnte, der mit Loyalität bezahlt werden musste. Geheimdienste rekrutierten immer wieder auch Homosexuelle, weil man diese unter Kontrolle halten konnte mit einer Mischung aus Schutz und Erpressungspotenzial. Im Süden musste man in höheren Kreisen Freimaurer sein, aber von einer Mitgliedschaft von Judah Benjamin ist nichts Gesichertes überliefert. Verschwörungsautoren betrachten das Freimaurertum als eine heimlich von Juden kontrollierte Einrichtung. Auch beim US-Bürgerkrieg wurde in Verschwörungsliteratur das Märchen des palladischen Freimaurer-Ritus verwurstet, das auf den Hochstapler Léo Taxil zurückgeht. Judah wurde immer wohlhabender und erfolgreicher und brachte es bis zum Senator und schließlich zum Kriegsminister der Südstaaten. Die Aufgabe war schwierig, denn der Süden hatte keine nennenswerte eigene Waffenindustrie und keine schlagkräftige Marine, um die Häfen freizuhalten für Nachschublieferungen aus dem Ausland. Der Plan war, die Invasion durch den Norden abzuwarten, den Gegner in die endlos tiefen Räume hinein zu locken und so lange auszubremsen, bis der Norden bereit ist zu einer Verhandlungslösung. Benjamin hatte keine militärische Erfahrung und erlebte heftige Niederlagen. Ein Vierteljahrhundert nach dem Krieg wurde bekannt, dass Benjamin und Davis vereinbart hatten, dass Benjamin als Sündenbock fungieren sollte, anstatt den Mangel an Waffen aufzudecken. Britannien zeigte wenig Unterstützung für den Süden. Kaiser Napoleon III von Frankreich zögerte ebenfalls. Die Bank „Erlanger et Cie“ wollte einspringen mit einem Kreditgeschäft. Der Bankenchef Baron Frederic Emile d’Erlanger reiste nach Richmond im Jahr 1863 und verhandelte mit Benjamin. Der Baron hatte den Stockholmer Königshof besucht und war in erfolgreiche schwedische und portugiesische staatliche Refinanzierungen eingebunden. Das portugiesische Königshaus mit König Ferdinand II. von Sachsen-Coburg und Gotha (die Linie aus der der britische Thron später stammte) ernannte aus Dank Frederic Emile und dessen Vater Raphael zu erblichen portugiesischen Baronen. 1860 war Raphael vom Herzog von Sachsen-Meiningen (ein Welfe) in den erblichen Freiherrenstand erhoben worden. Seine Karriere hatte er begonnen bei den Rothschilds in Frankfurt, die wiederum ursprünglich von der Adelslinie Hessen-Kassel aufgebaut worden waren. Frederic heiratete die Tochter von Judah Benjamins Vertrautem John Slidell, der Botschafter der Südstaaten von Amerika am Hofe Kaiser Napoleons III. war.

Benjamin beaufsichtigte den Confederate Secret Service, der für verdeckte Operationen im Norden verantwortlich war, und finanzierte den ehemaligen Bundesinnenminister Jacob Thompson, um hinter den Kulissen Operationen zu finanzieren, die Lincoln politisch untergraben könnten. Wieso machte man einen Anwalt wie Benjamin zum Geheimdienst-Aufseher? Es deutet darauf hin, dass er bereits zuvor etwas mit Geheimdiensten zu tun hatte. Thompson wird nachgesagt, er hätte sich getroffen mit John Wilkes Booth, dem Mörder des US-Präsidenten Abraham Lincoln aus dem Norden. Im April 1865 wurden die meisten offiziellen Papiere des Geheimdienstes von dem konföderierten Außenminister Judah Benjamin verbrannt, kurz bevor die konföderierte Regierung Richmond evakuierte, obwohl noch einige Seiten eines Finanzbuchs übrig sind. Daher wird die ganze Geschichte der geheimen Operationen der Konföderierten möglicherweise nie bekannt werden. Mit diversen Tarnungen flüchtete Benjamin über Florida und die Bahamas nach England, wo er ein hoher Jurist werden durfte. Salomon de Rothschild betrachtete Benjamin 1861 als „den größten Geist“ in Nordamerika und Abraham Lincoln als einen „Extremisten“.  Jefferson Davis, der Präsident der Konföderierten, versuchte ebenfalls zu fliehen, landete in Gefangenschaft, wurde aber wenige Jahre später freigelassen. Viele Personen damals und Historiker seitdem betonen seine vielfältigen Fehlentscheidungen und sein undiplomatisches Verhalten. Er hatte im Gegensatz zu Benjamin vor dem Bürgerkrieg eine militärische Ausbildung und Karriere. US-Präsident Abraham Lincoln galt als fanatisches Arbeitstier, das alle Aspekte des Krieges überblicken und kontrollieren wollte. Der bekannte Theater-Schauspieler John Wilkes Booth schoss Lincoln am14. April 1865 in den Kopf. Booth und seine Mitverschwörer hatten eigentlich geplant, weitere wichtige Funktionäre des Nordens zu ermorden. Sie wurden gefasst und getötet. Die Verschwörungsliteratur vernebelte wieder einmal die Ereignisse und behauptete, Lincoln hätte gegen die Juden-Banker-Verschwörung gekämpft und sei deshalb von ebenjener Verschwörung getötet worden. Ein viel benutztes Lincoln-Zitat ist nie, wie behauptet, in den Archiven der Times of London zu finden gewesen. Der Fake-Legende zufolge hätten die Rothschilds Lincoln Wucherzinsen aufdrängen wollen. Lincoln war in Wirklichkeit Befürworter einer Zentralbank und seine angeblich zinsfreien Greenback-Dollars waren alles andere als zinsfrei. Booth war Mitglied der Knights of the Golden Circle, was in der Verschwörungsliteratur entsprechend zurechtgebogen wurde mit Behauptungen, das Freimaurertum sei jüdisch dominiert (statt vom Adel) und das Attentat hätte zu tun mit dem geheimen palladischen Freimaurer-Ritus (der eine Erfindung von Léo Taxil war).

Desweiteren findet man in der Verschwörungsliteratur Erwähnungen der einflussreichen Italiener Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi. Die beiden hatten eigentlich im Auftrag des Welfen-Adels Italien erobert bzw. vereint und bekamen dafür amerikanische Waffen. In San Marino findet sich eine Büste von Lincoln. In der Verschwörungsliteratur gelten die beiden Italiener als Agenten der großen Judenverschwörung. Garibaldi wurde eine Generalmajor-Kommission in der US-Armee angeboten, aber es kam nicht dazu, dass er diesen Posten antrat. Der Südstaaten-General Albert Pike war eine Führungsfigur im „Schottischen Ritus“ des Freimaurertums, aber eben kein Anführer des „palladischen“ Ritus zusammen mit Mazzini und es kursieren bis heute gefälschte Zitate von ihm über die vermeintliche luziferisch-satanische Doktrin des schottischen Ritus. In “The Secret Founding of America” wird der Unfug erzählt, Mazzini hätte 1834 die Führung über „die Illuminati“ übernommen und Pike sei später der „mächtigste Freimaurer“ der Welt gewesen. Die Rothschilds wollten angeblich Lincoln Kredite zu 35% Zinsen aufdrängen und dann auch noch die Erlaubnis bekommen, die neue Zentralbank Amerikas zu schaffen. Lincoln hatte eine Reihe an Kreditangeboten aus New York abgelehnt und ließ die Greenbacks als eine ganz gewöhnliche Papier-Fiat-Währung starten, die nicht durch Edelmetall gedeckt war. Er holte sich Salmon P. Chase, um den Krieg zu finanzieren mit der üblichen Mischung aus Papiergeld, Krediten und Steuern. Die Rothschilds hätten angeblich die Kontrolle besessen über britische Truppen in Kanada, sowie über französische und spanische Truppen in Mexiko, um in den US-Bürgerkrieg einzugreifen. Dies ist das alte Märchen, dass die Rothschilds nach Belieben Militäraktionen hervorrufen konnten. Dann hätte aber der russische Zar Alexander II. den Rothschilds einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er seine Flotte zum Schutz nach Amerika aussandte. Der Zar sei der einzige Herrscher in Eurasien gewesen, der nicht bei den Rothschilds verschuldet war und zudem keine von den Rothschilds kontrollierte Zentralbank akzeptieren wollte. Selbstverständlich interpretierten die Verschwörungsautoren die kommunistische Revolution wenige Jahrzehnte später in Russland als Racheaktion der satanischen Rothschilds. Der Zar stammte aus derselben Adelslinie wie der britische Thron, der wiederum die Rothschild-Bank als Tarnorganisation aufgebaut hatte. Keiner der gängigen Verschwörungsautoren beleuchtet ernsthaft die adeligen Geheimdienste und stellt die Frage, warum die Zaren oder sonstwer nie erfolgreiche Attentate auf die Rothschild-Familie verübte. Im September 1863 fuhr eine russische Flotte von gerade einmal sechs Kriegsschiffen an die Ostküste Nordamerikas und blieb dort sieben Monate. Mit Sitz in New York patrouillierten sie in der Umgebung zugunsten der Union von Lincoln. Ähnliches geschah an der Westküste, wo eine Flotte von sechs Kriegsschiffen in San Francisco stationiert war. Nicht unbedeutend, aber eben auch kein allzu starker Eingriff in den Konflikt.

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