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Zivilschutz

Bunker-Mentalität

Manche lästern gerne über Prepper (die Betreiber von Zivilschutz bzw. Selbstschutz), dass diese sich am liebsten in Bunkern verbarrikadieren würden in der Erwartung des Weltuntergangs. Die allermeisten Menschen verstehen weder die Sicherheitslage auf der Welt noch die Möglichkeiten, darauf individuell zu reagieren. Die Regierungen, Militärs, die Reichen und sogar Ex-Präsident Trump sind riesige Fans von Bunkern. Besonders Trump hat gleich mehrere davon.

Russlands Mount Yamantau Bunker im Ural-Gebirge hat angeblich Platz für 15.000 Leute für 30 Jahre. 1994 gelangten Russen von der Gruppe „Diggers of the Underground Planet“ in den Metro-2 Komplex, eine geheime Ubahn-Anlage, die zuerst unter Stalin gebaut worden war und verschiedene Regierungseinrichtungen miteinander verbindet. Erneuerungen gab es 2015. Auch China und Indien bauen massive Bunker. In den USA gibt es noch Raven Rock, Site R, das Ausweich-Pentagon, das für Milliarden Dollars erweitert wurde. In den Mount Weather Bunker in Virginia brachte man Regierungspolitiker an 9/11. In Colorado unter 7500 Metern Granit liegt der Cheyenne Mountain Complex, der Sitz von NORAD. Die Schweiz hat immer noch Bunker für 8,6 Millionen Leute, Israel hat zig Bunker und Schutzräume mit ABC-Filtern. Es gibt Überlegungen, hundert Millionen Amerikaner zu schützen.

Der Autor des relativ neuen Buchs “Bunker: Building for the End Times” namens Bradley Garrett ist ein anerkannter Forscher und besuchte viele Bunker und Prepper, darunter den „Central Governemnt Bunker“ im britischen Bath, ein Ausweichsitz für die Regierung der 25 Fußballfelder groß ist, eine unterirdische Stadt für 4000 Leute. Unter Trumps Mar a Lago-Ressort in Florida befindet sich ein richtig krasser Bunker, der in den 1950er Jahren gebaut wurde. Das Weiße Haus sitzt natürlich auch auf einem Bunker. Trump prahlte noch, dass er weitere Bunker hat unter seinen Grundstücken in Westchester New York. John F. Kennedy hatte einen Bunker in der Nähe seines Florida-Ferien-Anwesens. In Russland ist frühzeitig eine regelrechte Bunker-Manie ausgebrochen, wo viele Anlagen geheim sind und Verbindungen zueinander aufweisen.  Die skandinavischen Länder erneuern und reaktivieren ihre Bunker aus dem Kalten Krieg und Nordkorea hat sogar eine unterirdische Atomwaffenproduktion.

Der Autor von “Bunker: Building for the End Times” merkte schnell, dass die meisten Prepper nüchterne und teils sogar optimistische Realisten sind, keine panischen Doomsdayer. Natürlich tummeln sich auch hier schräge Geschäftemacher und es gibt Bildungsmängel zu sicherheitsrelevanten Themen und Überschneidungen zur „Patrioten“-Szene samt Standard-Verschwörungs-Narrative. Die Mega-Prepper-Community Xpoint dreht sich um ein altes Munitionsdepot der USA, das vom Amerikaner namens Robert Vicino gekauft und zu Familienbunkern ausgebaut wurde. Das jährliche „X-Fest“ zieht mehr oder weniger Interessierte an. Vicino sprach viel über schwurbelige Ideen wie Planet X und Nibiru, was eine gewisse Leichtgläubigkeit offenbart. Er denkt auch, ein Drittel der schwedischen Frauen sei vergewaltigt worden von Muslimen, weil er das im Internet aufgeschnappt hat. Drei Stunden lang redete er ein auf den Buchautor und kam sogar auf schizoide Ideen zu sprechen, dass man mit der richtigen Methode der Meditation sogar schweben und durch Wände gehen könne. Der Bunker-Markt bietet natürlich auch günstigere Lösungen wie ausgebaute Keller, vergrabene Container und aufwändigere Panic Rooms. Vicino hat auch einen Bunker in Deutschland, den Vivos Europa One. Es gäbe noch nicht genügend Interesse von Bürgern, aber er wirbt um Firmenkunden wie BMW und Mercedes. National Geographic: fand heraus, dass 62% der Amerikaner mit einer großen Katastrophe innerhalb der nächsten 20 Jahre rechnen. 40% wollen eigene Vorräte und Bunker. Im Jahr 2000 wurden ein Drittel aller neuen Häuser in den USA in sogenannten „Gated Communities“ gebaut, wo private Straßen mit privaten Sicherheitsleuten geschützt werden. Bei Hurrikan Katrina gab es gar nicht so viele Plünderungen und Morde, wie manche dachten, sondern sehr viel Kollaboration zwischen den Bürgern. Fast die einzigen Morde wurden begangen von Polizisten. Die Leute halfen sich gegenseitig. Ein 74 Jahre alter Prepper aus New Jersey ernährte tausend Menschen in Puerto Rico nach dem Hurrikan Maria. Die staatliche US-Katastrophenschutzbehörde FEMA hat hingegen einen zweifelhaften Ruf und man lästert, das Akronym stünde für „Foolishly expecting meaningful aid“ (das naive Erwarten bedeutsamer Hilfe).

Am Lagerfeuer beim X-Fest wurde das übliche Zeug ausgetauscht aus der Patrioten-Szene und den Verschwörungsmedien, von Reptiloiden, Illuminati, der flachen Erde bis hin zu Infowars. Kein hohes Niveau, aber die Menschen waren eigentlich schlauer, als das Material, das sie konsumieren und zeigten ein Interesse an Entdeckungen und tatkräftigem Handeln. John F. Kennedy hielt 1961 eine Rede über Zivilschutz, die Regierung gab Pläne heraus für den Bau von Schutzräumen in Life Magazine. Große Firmen wie Sears boten entsprechende Waren an und man sprach vom sogenannten Doom Boom.

Bo Gritz, ein hoher Offizier aus dem Vietnamkrieg, die Inspiration für Rambo und Hannibal aus der Serie A-Team, war nicht nur eine feste Größe in den Verschwörungsmedien, sondern führte eine Bunker-Kommune namens „Almost Heaven“ die leider im Chaos versank. Geld wurde gestohlen, radikale Mitglieder zersetzten den Ruf, das Projekt ging pleite und Gritz erschoss sich selbst.

Infiltration und Verdrängung

Das Interesse an Prepping war ab Trumps Wahlsieg 2016 stark erlahmt, obwohl sich die Sicherheitslage überhaupt nicht verbessert hatte. Billige PR und der Mythos von QAnon faszinierten stattdessen das Zielpublikum, was zeigt, wie leichtgläubig und unerfahren die „Patrioten“ und Prepper noch sind. Die wichtige Narrative wurden vorgegeben von den Republicans und den Russen, sodass COVID als ein Fake und Russland als Freund galten. Die meisten Leute kann man in drei Kategorien einteilen:

  • Langweilige, aber stabile Leute.
  • Schwache Leute.
  • Psychopathen, Narzissten und ähnlicher Abschaum.

Das Rückgrat unserer Gesellschaft sind diejenigen, die zuverlässig ihre Jobs erledigen und ihre Kinder großziehen. Dabei hat sich aber oft eine tranige Langeweile und Routine eingeschlichen. Sie haben keine Begeisterung für interessante Themen, sie sind geistig schlaff, lesen keine relevanten interessanten Sachbücher, können keine interessanten lebendigen Konversationen führen und werden nur dann aktiver, wenn eine größere Krise auftritt. Im allerletzten Moment werden sie dann doch Prepper und erwarten sich gleichzeitig viel zu viel von der Regierung, um die Krise zu lösen. Die Obrigkeit hat sich viel Mühe gegeben, den Standard-Bürger zu einem zahnlosen Steuerzahler zu machen.  Schwache Leute haben eine Reihe von Reifeverzögerungen und ausgewachsenen Persönlichkeitsstörungen, ohne genügend Initiative zu ergreifen, selbst ihre Schwächen zu verringen und Probleme zu lösen. Sie taugen nicht als Prepper und würden in der Krise durchdrehen. Psychos, Narzissten und ähnliche Gestalten sind manipulativ, gierig, bösartig, ausbeuterisch und gehen unnötige Risiken ein. Sie halten sich für überlegene Prepper, aber können nicht konstruktiv mit anderen Menschen umgehen. Man brauch eine systematische Herangehensweise, damit man nicht selbst in einer dieser drei Kategorien landet und damit man etwas dazu beitragen kann, dass andere Leute nicht in diesen Kategorien landen. Falls man beruflich im Nirgendwo steht, sollte man nicht vor dem Computer versumpfen und nutzlosen „Aktivismus“ betreiben oder auf die Apokalypse warten, sondern sich um eine Karriere bemühen. Wenn man psychische Probleme und Suchtprobleme hat, sollte man sich fernhalten von einem Milieu, das diese Probleme vergrößert. Es gibt viele Leute, die in diesem Langweiler-Modus gefangen sind und sich sehnen nach Leuten mit Flair, Tatendrang und Selbstbewusstsein. Sie suchen interessante Leute, also das genaue Gegenteil eines Langweilers. Gerade aber diejenigen mit Tatendrang, die interessant wirken, sind meistens Narzissten und Psychopathen.

Man sollte sich nicht zu große Hoffnungen machen auf Aktivismus und Politik. Aktivisten und Politiker werden dir nichts zu essen geben im Notfall, keine Schutzausrüstung, keine Wasserfilter, keine Geländefahrzeuge, keine Stromaggregate. Irgendwelche Träumereien über Revolutionen kannst du vergessen, bis Leute drei Dinge lernen: Wie Spionage funktioniert, wie das Böse funktioniert und wie die drei Supermächte funktionieren. Wenn diese drei Dinge nicht von einer relevanten Anzahl an Leuten gelernt werden, gibt es keine signifikanten positiven Veränderungen und Aktivismus mitsamt Politik läuft ins Leere. Man nutzt seine Zeit und sein Geld lieber für Prepping. Da hat man sofort und direkt einen Zugewinn an Kontrolle. Mitten in der COVID-Pandemie ergab ein Blick auf die wichtigsten amerikanischen Prepper-Webseiten ein katastrophales Bild:

  • SHTF-Plan machte COVID-Leugnung.
  • Nichts auf OffGridsurvival über Covid
  • Fast nichts auf Survivopedia
  • Survivalist Blog: Nichts
  • Prepper Journal: Hatte mehrere Sachen
  • Modern Survival Blog: Nichts
  • Economic Collapse Blog: Nichts
  • American Preppers Network: Nichts
  • Urban Survival Site: Nichts

Der Fokus lag auf einem kommenden Finanzcrash, linke BLM-Demos und Gerede über einen Bürgerkrieg. Es fehlt offensichtlich an Expertise zu Biowaffen und Pandemien und gleichzeitig fürchtete man, das Publikum zu vergraulen mit einer realistischen Berichterstattung, weil sich eben das Narrativ durchgesetzt hatte, die Pandemie sei fake.

Man muss in seinen Zielen realistisch bleiben und darf sich nicht in eine Falle locken lassen mit Gerede, dieses oder jenes Projekt würde den ganz großen Endsieg bringen oder sei „die allerletzte Hoffnung“.

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