Innenminister wollen “Prepper-Szene” besser verstehen

13. Dezember 2017
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Kürzlich war wieder in der Presse die Rede von Ermittlungen in der “Prepper-Szene”. Genau genommen handelte es sich um gewöhnliche Ermittlungen über politisch motivierten Extremismus gegen ein paar wenige Verdächtige, die nebenher Zivilschutz betreiben. Die Innenminister wollen nun die Prepper-Szene genauer unter die Lupe nehmen lassen, was im Endeffekt nur bedeutet, dass Chaträume und geschlossene Facebook-Gruppen abgeklappert werden und ein paar verdeckte Ermittler und V-Leute ihre Runden drehen im Millieu der neurechten Bundeswehr-Reservisten und Chatroom-Rambos. Die rechtsextreme Szene ist sowieso längst staatlich unterwandert und der MAD kümmert sich seit ewigen Zeiten um Extremismus in der Bundeswehr. In den allermeisten Fällen handelt es sich bei den Verdächtigen wahrscheinlich um frustrierte Personen, die in Chaträumen Dampf ablassen.

Die Wahrheit ist: Es ist extrem schwierig, eine heikle Gruppe mit nur einer Handvoll Mitglieder zusammenzustellen, die nicht mindestens einen Spitzel beinhaltet. Je heikler und größer die Gruppe, umso wahrscheinlicher, dass gleich mehrere Spitzel und Agenten Mitglieder sind und sich schier gegenseitig auf die Füße treten, ohne voneinander zu wissen.

Also Vorsicht, wenn im Chat oder beim Lagerfeuer Amateure wilde Pläne schmieden über eine atemberaubende Gruppe, die man auf die Beine stellen will. So etwas geht in 99,999% aller Fälle gründlich schief.

So hält man sich von Spinnern und Spitzeln fern:

1. Meiden Sie soziale Netzwerke, meiden Sie falsche Freunde und halten Sie die Klappe

Lassen Sie unbedingt die Finger von sozialen Netzwerken! Gerade im Internet entstehen blitzschnell neue Kontakte und Gruppen. Auch in geschlossenen, verschlüsselten Chat-Räumen kann jeder ein Protokoll des Gesprächs aufzeichnen. Wenn jemand nach dem dritten Bier in einer geschlossenen Chat-Gruppe Dampf ablässt und dabei seinen Fantasien freien Lauf lässt, kann man als Mitleser auch in Schwierigkeiten kommen.

2. Nutzen Sie wie ein Privatdetektiv frei verfügbare Informationsquellen

Es gibt zahlreiche Auskunfteien über Firmen, Organisationen und Individuen. Eine zielstrebige Suche kann zeigen, ob eine bestimmte Person einen glaubhaften, vertrauenserweckenden Lebenslauf hat oder nicht. Achtung: Kaum jemand verweigert dem Staat die Zusammenarbeit als Informant und akzeptiert stattdessen eine hohe Strafe für illegale Aktivitäten. Ist jemand im Schlamassel, wird er womöglich versuchen, Sie in Illegales und in eine Falle der Behörden hineinzuziehen. Selbst „Freunde“ mit einem sauberen Lebenslauf werden so zu Verrätern. Der Staat verschärft immer mehr die Verbotsgesetze über Bauanleitungen für illegale Gegenstände oder über Ausbildungen in ausländischen „Lagern“. Wer also mit Hilfe von Informanten eine Reise in ein Ausbildungslager (im Ostblock etc.) gebucht hat und noch vor der Abreise verhaftet wird, hat sich bereits strafbar gemacht und bekommt dann wohl das Angebot, selber zu spitzeln. Geheimdienste verfügen über die Möglichkeit, falsche Pässe für ihre Agenten herzustellen, ältere Beschäftigungsverhältnisse bei diversen Firmen oder vergangene Haftstrafen vorzutäuschen, und auch ein Geflecht aus echten Firmen und Scheinfirmen zu nutzen, um die nötige Fassade für einen Agenten zu liefern. Allerdings ist es enorm aufwändig und teuer, eine wirklich ausführliche Legende zu konstru-ieren. Für viele Aufträge ist die Legende eher dünn. Agenten arbeiten oft jahrelang in einem Milieu und wechseln dann in das nächste. Jedes Mal tauchen sie woanders mit neuer Identität auf, suchen Anschluss an die jeweilige Szene und erklären, dass sie „neu in der Gegend“ seien. Mit ihrer eigenen Familie hätten sie keinen richtigen Kontakt, heißt es, oder die Familie würde weit weg wohnen. Agenten wollen auf gar keinen Fall, dass ihre echten Familien in Gefahr geraten.
Scheuen Sie nicht, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und (notfalls unter erfundenen Vorwänden) bei verschiedenen Stellen Nachfragen zu stellen: Hatte die Person wirklich früher in der ge-nannten Stadt und in dieser oder jener Straße gewohnt? Die Schulen besucht? In jener Branche gearbeitet? Agenten müssen ihre Legende auswendig im Schlaf herunterbeten können. Deshalb darf sie nicht zu kompliziert sein. Ein echtes Leben jedoch hat tonnenweise Details, die allesamt stimmen.

3. Wenn es wirklich wichtig ist, folgen Sie der Person oder heuern Sie Privatdetektive an

Es mag Geld kosten, aber bei einer Detektiv-Firma bekommen Sie Profis, die eine Person verfolgen und observieren können. Mit wem trifft sie sich? Zeigt sie typisches Agentenverhalten beim Autofahren? Wohnt sie woanders als angegeben? Seit wann ist die Wohnung angemeldet? Auf wen? Womit verdient die Person ihr Geld? Arbeitet sie gar nicht und hat trotzdem Geld? Agenten trennen ihr Privatleben strikt vom Beruf und wollen nicht, dass ihre Familien in berufliche Gefahren hineingezogen werden. Deshalb treten Agenten solo auf, oder behaupten, irgendwo weit weg Familie zu haben. Existiert diese Familie wirklich? Besucht die Person wirklich diese angebliche Familie?
Gibt es große Lücken im Lebenslauf einer Person? Viele internationale Reisen? Hat die Person enorm viele berufliche Freiräume, kann Geld nach Belieben ausgeben und sich beliebig und spontan Zeit freinehmen?

4. Meiden Sie Gruppen, so gut es geht

Gruppen haben alle möglichen Marotten, problematischen Dynamiken und Sicherheitslecks. Besser ist es, Gruppen zu meiden, die nicht mehr für Sie überschaubar sind, wo Mitgliederlisten und verschiedene zerstrittene Fraktionen und „Vereinsmeierei“ und fragwürdige Geheimnisse existieren. Die allerwenigsten Gruppen haben eine funktionierende Spionageabwehr.

5. Extreme Vorsicht mit Polizisten und anderen Staatsbediensteten

Diese Leute haben ihre Treue dem Staat und ihren Kollegen geschworen und ihre ganze berufliche Zukunft und ihre Pensionen hängen von dieser Treue ab. Es mag sich cool anfühlen, einen Polizisten als Kumpel zu haben, aber die Beamten haben ihre ganz eigene Bruderschaft.

6. Vorsicht bei labilen und „schwierigen“ Personen

Zuviel Nachsicht und Nettigkeit ist ein Rezept für Desaster. Auch psychisch Labile und Drogensüchtige können Informanten sein, denn sie sind leicht manipulierbar. Sogenannte „schwierige“ Personen sind exzellent darin, zu zersetzen und Chaos zu stiften. Jede bedeutsame, effektive Organisation wählt sorgfältig ihre Mitglieder aus und akzeptiert nur diejenigen, die wirklich gute Qualifikationen haben. Versager und Wichtigtuer können leicht frustriert und gekränkt werden, wenn ihre grandiosen Fantasien nicht erfüllt wer-den. Sie sind leicht als Informanten zu rekrutieren.

7. Seien Sie misstrauisch, wenn eine Person Sie zu illegalen Aktivitäten animiert

Straftaten können noch lange nachwirken. Selbst „Jugendsünden“ vor zig Jahren können noch später ausgegraben werden, um einen Ruf und eine Existenz zu zerstören. Wenn irgendwelche früheren krummen Gefährten, von denen Sie sich längst getrennt haben, mit irgendwas erwischt wurden, erfinden die vielleicht noch Geschichten über Sie, um von sich selbst abzulenken. Oftmals sind es einfach nur Leute mit narzisstischen oder antisozialen Tendenzen, die Sie in Illegales hineinziehen wollen. Aber auch das ist gefährlich genug. Bewahren Sie bloß nicht irgendwelche Gegenstände für jemand anderen auf, den Sie nicht wirklich in und auswendig kennen, vor allem dann nicht wenn es keinen vernünftigen Grund dafür gibt. Bieten Sie auch niemandem einfach so Ihre Adresse als Deck-Adresse an. War jemand gerade noch ein begeisterter Kumpel, hat aber urplötzlich jedes Interesse an Ihnen verloren? Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Sie sich nicht zu illegalen Aktivitäten haben anstiften lassen und derjenige anderswo nach Opfern Ausschau hält. Mächtige Figuren und mächtige Organisationen unternehmen große Anstrengungen, um illegale Aktivitäten einzubetten in einen riesigen Haufen legaler Aktivitäten. Sich strafbar zu machen, ist leicht. Ziele zu erreichen und dabei nicht juristisch greifbar zu sein, ist hingegen eine wahre Kunst.

8. Vorsicht mit Möchtegern-Rambos

Manchmal handelt es sich um Aufschneider und Großmäuler, manchmal um Narzissten, die grandiose aber unrealistische Fantasien hegen, manchmal um Psychopathen und manchmal um Provokateure, die zu Unsinn anstiften wollen. Die verbitterten Versager träumen davon, sich endlich an der ganzen Welt zu rächen für die Erniedrigungen, die sie erlitten haben und bringen mit ihrer Inkompetenz und Radikalität sich selbst und ihr Umfeld in Schwierigkeiten. Sobald sie geschnappt und unter Druck gesetzt werden, lassen sie sich leicht als Informanten anwerben. Psychopathen haben nur ihre eigene Agenda und pfeifen auf alle anderen Menschen. Provokateure liefern gerne Waffen und sogar Sprengstoff oder Zutaten und Baupläne. Möchtegern-Rambos vom Typ Hochstapler machen gerne mysteriöse Andeutungen über sich selbst, um eine Aura des Besonderen zu pflegen. Angeblich dürften sie nicht zu viel von sich preisgeben, weil sie um ihre Sicherheit fürchten müssen. Sie tun so, als seien sie ganz harte Hunde, die schon einiges in ihrem Leben gesehen haben. In 99,99% aller Fälle ist dies jedoch Humbug und die Anonymität soll nur verschleiern, dass Welten liegen zwischen der Kunstfigur im Internet und der wahren Person dahinter. Es ist noch nichts Ungewöhnliches daran, wenn jemand sich als beeindruckender darzustellen versucht als er ist. Mit Übertreibungen oder dem Weglassen von peinlichen Details muss man rechnen. Bei manchen Leuten allerdings steht das Getöse und Getrommel in keinem Verhältnis mehr zu den bisher erbrachten Leistungen. Wenn jemand nicht genug kriegen kann von Waffen und den ganzen Tag am liebsten vom großen Konflikt fantasiert, aber keine nachvollziehbaren Leistungen in seinem Leben vorweisen kann, ist Vorsicht geboten. Manche Möchtegern-Rambos können nicht einmal für sich selbst oder eine Familie in Friedenszeiten sorgen, meinen aber sie würden in extremen Konfliktsituationen regelrecht aufblühen. Fragen Sie ruhig nach, welcher Arbeit der Internet-Rambo nachgeht, wie es um seine Familienverhältnisse steht, welche Kurse er erfolgreich abgeschlossen hat, welche Erfahrungen er gesammelt hat, welche Meilensteine er im Leben erreicht hat. Verlangen Sie Beweise. Arbeitslosigkeit, vor allem chronische, kann ein Warnzeichen sein.

9. Sichern Sie sich ab

Wenn Sie einen Verdacht haben, schreiben Sie mit Stift und Papier auf, wen sie wann wo getroffen haben, worüber gesprochen wurde und was passiert ist. Sammeln Sie Belege und Ähnliches an einem sicheren Ort. Mit einer detaillierten Liste haben Sie im Ernstfall das, was Sie brauchen, um mit Hilfe eines Anwalts eventuellen Lügen zu begegnen. Und schließen Sie eine gute (!) Rechtsschutzversicherung ab! Falls es einmal zu Kontakt mit den Behörden kommt, halten Sie die Klappe und lassen Ihren Anwalt reden. Brabbeln Sie nicht aus Nervosität drauflos, oder erfinden irgendwelche Lügengeschichten. Halten Sie einfach die Klappe. Schweigen Sie, auch wenn jemand konstant auf Sie einredet. Halten Sie die Klappe, auch wenn Sie 100% unschuldig sind. Lassen Sie nur einen guten Anwalt reden. Wenn eine Person Ihnen seltsam vorkommt, stoppen Sie jeden Kontakt. Wenn jemand, dem Sie nicht wirklich trauen, Sie urplötzlich überrumpelt mit Details über begangene oder geplante Straftaten, könnte es sich um eine Falle handeln.

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