Fukushima in Russland?

11. März 2017
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Bild: IAEA Imagebank/CC BY-SA 2.0

Kommentar

Es herrscht absolute Totenstille in den Medien über die mysteriöse Verbreitung radioaktiver Jodpartikel über Europa. Ein US-Spezialflugzeug klärt gerade, woher die Versuchung stammt und ob bald noch mehr und andere Partikel folgen werden.

Es ist unfassbar, wie der Fukushima-Vorfall inzwischen Jahren heruntergespielt wird; fast wird schon die Krisen-Reaktion der Behörden und TEPCO gelobt. Keiner will sich erinnern, wie beschädigte Reaktor-Außenhüllen verbaut wurden und trotz Sicherheitsmechanismen eine große Welle alles überschwemmte. Vielleicht geht es eher darum, die Atomindustrie Japans wegen einer möglichen künftigen Herstellung von Atomwaffen zu schützen. Noch hat Japan offiziell keine Atomwaffen, aber eine starke Atomindustrie, was den Chinesen natürlich überhaupt nicht gefällt.

Derweil stehen die Atomkraftwerke in Europa in der Kritik wegen Sabotageakten, Unfällen und Islamisten, die auf Kraftwerksgeländen arbeiteten. Kaum einer blickt aber nach Russland auf die Atomindustrie:

1993 beschädigte ein Sturm auf der Halbinsel Kola die Stromleitungen, die Reserve-Dieselgeneratoren des AKW sprangen nicht an und das Werk stand kurz vor einer Havarie, die sich zu einem Unfall wie in Tschernobyl hätte auswachsen können. Des Weiteren wurden im Jahr 2000 wegen einer Störung des Energienetzes die Reaktoren des Kombinats »Majak« im Tscheljabinsker Gebiet sowie das Kernkraftwerk Belojarsk, 60km vor Jekaterinburg, abgeschaltet. In diesen Fällen entging man nur durch großes Glück einem Szenario, welches wir nun vom AKW Fukushima Daiichi in Japan kennen.

22 von 32 der russischen Reaktoren sind alt und unsicher.

Allein 2009 (aus diesem Jahr stammen die letzten zugänglichen Daten der Aufsichtsbehörde Rostechnadsor) haben Inspektoren 491 (!) Norm- und Rechtsübertretungen in den Strukturen festgestellt, die für die Projektierung und Herstellung von Anlagen für Kernkraftwerke zuständig sind. E

Die Atomreaktoren in Russland sind nicht stabil genug, um verschiedene eventuelle Umweltkatastrophen auszuhalten – einschließlich Erdbeben.

Es gibt keinerlei Garantie, dass die vorgeschriebenen Sicherheitssysteme so arbeiten wie gefordert, um dem japanischen Szenario einer Atomkatastrophe zu entgegen. 

»Bestandteile einer Reihe von Reaktorblöcken (z. B. bei den Kernkraftwerken Balakowskaja und Kalininskaja) zeigen Materialermüdung sowie unzulässige Schwankungen von Druck und Temperatur, was zu ihrer Zerstörung führen kann«, und außerdem »die Neigung der Fundamentplatte des Gebäudes mit dem Behälter für abgebrannte Brennelemente des Kursker AKW, offenbart durch geodätische Beobachtungen, kann zu seiner Zerstörung führen«. 

An separater Stelle heißt es im Bericht des Staatsrats, dass »Konstruktionsmängel und -fehler« zu Unfällen in Blöcken des Typs RBMK-1000 (ein solcher explodierte 1986 in Tschernobyl) führen können. Außerdem werden eine Reihe spezifischer Mängel verschiedener Reaktortypen benannt.