Bitcoin teurer als Gold, aber immer noch keine Krisenwährung

4. März 2017
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Ein Bitcoin ist aktuell mehr wert als eine Unze Gold, allerdings ist die digitale Codeschnipsel-Währung nach wie vor von Problemen geplagt, wie etwa das Scaling-Problem, wegen dem bei Transaktionen Stunden oder Tage an Wartezeit entstehen können. Bitcoin kann das Volumen der Transaktionen nicht effektiv handhaben, und das bei einem Gesamtmarkt von nur rund 17 Milliarden $. Der Streit, wie man das Problem lösen kann, ist festgefahren. Diverse Streitparteien scheinen sich nicht auf eine Lösung einigen zu können.

Ein winziges Grüppchen an Insidern sitzt nach wie vor auf einem großen Haufen Bitcoin und hat das Potenzial, den Kurs zu manipulieren.

Bitcoin taugen nach wie vor nur ganz, ganz begrenzt als Wertaufbewahrung und Zahlungsmittel für die Krise. Niemand weiß, was die Bitcoin-Insider und Exchange-Betreiber tun werden, wenn es heiß her geht. Wahrscheinlich cashen die im Ernstfall rechtzeitig aus, stehlen das Geld, tauschen es gegen Edelmetall und reguläres Geld und verschwinden mit dem Hinweis „Sorry, wir wurden gehackt“.

Als Bitcoin in der Vergangenheit sich ein einziges Mal in die Region von 1000$ bis 1200$ bewegte, lag dies anscheinend an automatisierter Kursmanipulation durch Bots an der damals größten Wechselstube Mt. Gox. Eventuell ist der momentane Höhenflug auch nichts weiter als eine Kursmanipulation, um neue Einsteiger zum Kaufen zu verleiten und um Schlagzeilen zu generieren.

Der grenzenlose Marketing-Hype geht weiter. In Wirklichkeit stecken hinter Angaben wie „Millionen existierende Konten“ nicht mehr als ein Bruchteil aktiver Benutzer, von denen die meisten wiederum nur triviale Beträge halten, in der Hoffnung auf eine Preissteigerung. Der Anteil am globalen Zahlungsverkehr ist verschwindend gering, während sich die Giganten wie etwa der Dollar, Paypal oder Western Union unter einem Gähnen vorbereiten auf diverse monetäre Modeerscheinungen, die ähnlich wie Coupons oder Bonuspunkte funktionieren. Die Masse an Bürgern interessiert sich nicht die Bohne für Bitcoin. Wenn die Leute auch noch wüssten, was hinter den Sensations-Werbemeldungen steckt, wäre das Interesse noch viel geringer.

Laut der japanischen Presse sollen bisherige Ermittlungen der Polizei von Tokio ergeben haben, dass der ehemals größte Handelsplatz für die digitale Währung Bitcoin wahrscheinlich von Insidern leergeräumt worden sei, und nicht von Hackern. Mt. Gox vermittelte noch im August 2013 insgesamt 60 % des weltweiten Bitcoin-Handelsvolumens. Anfang 2014 erklärte der Betreiber Karpeles, das Opfer eines Hacks geworden zu sein und dass die Gelder der Kunden von Unbekannt gestohlen worden wären. Am 28. Februar 2014 meldete das Unternehmen bei einem japanischen Bezirksgericht Insolvenz an. Karpeles schüttelte Wochen später noch überraschend 200.000 Bitcoins aus dem Ärmel, die er angeblich in alten Konten gefunden haben will. Das besänftigt aber nicht die Kunden; vor allem da immer noch hunderttausende Bitcoins fehlen und sich in der Vergangenheit bereits mehrere Betreiber von Bitcoin-Börsen als Betrüger herausgestellt hatten.

Der für den Betrieb von Mt. Gox verantwortliche Karpeles ist ausgerechnet ein Gründungsmitglied der Bitcoin-Stiftung.

Die Sichtung der der Geschäftsaktivitäten durch japanische Ermittler hätte ergeben, dass zwei Konten bei Mt. Gox immer höhere Guthaben anhäuften ohne dass reguläre Transaktionen dahintersteckten. Gelder von Kunden seien so abgeschöpft und die Beute gegen Dollars und andere reguläre Währungen verhökert worden.

Die britische Zeitung Guardian berichtete bereits im Mai 2014, dass Ende 2013 bei Mt. Gox zwei sogenannte „Bots“, also Computerprogramme mit Administratorfähigkeiten, die atemberaubende Zahl von 650.000 Bitcoins gekauft haben sollen, ohne wirklich echtes Geld ausgegeben zu haben. Dies entspräche einem Vermögen von mehreren hundert Millionen Dollars. Ein anonymer Bericht erklärte, dass vieles auf eine Urheberschaft von Insidern bei Mt. Gox hinweise. Auf diese Weise hätten die Bots den Bitcoin-Kurs mit Hilfe von manipulativen Luftbuchungen auf über 1000$ getrieben, was einen Run von Investoren auslöste. Die ständige Propaganda tat ihr Übriges und verkündete ständig, dass der Kurs noch in fünfstellige oder sechsstellige Regionen gehen werde. Nach dem unrühmlichen Ende von Mt. Gox sackte der Kurs weit nach unten.

Der Wissenschaftler Adi Shamir analysierte die Masse an anonymisierten, bisher stattgefundenen Transaktionen und kam zu interessanten Ergebnissen: Alle großen Transaktionen stammen von einer einzigen Mega-Transaktion ab. Durch weitere Zersplitterung und Verschachtelung sollte womöglich verschleiert werden, dass es sich um Fake-Trading einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe handelte. Nach hunderten Zwischenkonten wurden die Geldströme wieder zu dem Ursprungsbetrag zusammengefügt. Es ergab sich folgende Besitzstruktur:

Eine einzige Person besaß im Jahr 2012 zwischen 200.000 und 400.000 Bitcoin, eine weitere Person besaß zwischen 100.000 und 200.000, fünf Personen besaßen zwischen 50.000 und 100.000.

97% aller Bitcoin-Besitzer hatten weniger als 10 Transaktionen, während gerade einmal 75 Besitzer mit 5000 Transaktionen in Verbindung gebracht werden. Man geht von hunderttausenden Pseudo-Konten aus, die eine Kursmanipulation verschleiern können.

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